Was macht eigentlich eine Geruchsforscherin?

  • Was macht eigentlich eine Geruchsforscherin?
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„We smell first, then we see or hear.“ Wenn die Künstlerin, Geruchsforscherin und Professorin Sissel Tolaas über ihre Arbeit erzählt, muss man irgendwie an Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ denken. Und ganz so abwegig ist dieser Gedanke auch nicht. War sie doch auch am Film zu „Das Parfum“ beteiligt. Am culinary art Festival in Salzburg hat Sissel Tholaas mehr über die Welt der Gerüche und ihre spannende Tätigkeit erzählt.

Tolaas hat Mathematik, Chemie, Linguistik und Kunst an den Universitäten von Oslo, Moskau, Leningrad, Oxford und Princeton studiert. Als ebenso umfassend und vor allem fächerübergreifend lässt sich nun ihre Arbeit beschreiben. Eines ihrer zentralen Aufgaben ist es, Gerüche in Boxen zu verpacken und zu archivieren. Mehr als 7.000 Gerüche hat sie so schon in ihrem Duftarchiv gelagert. „I don’t make perfumes, I make smells“, erklärt sie uns. Denn es sind nicht immer nur gute Gerüche, die Tolaas identifiziert, analysiert und schließlich reproduziert. In der Projektreihe „City smellscapes“ archiviert sie beispielsweise die Gerüche von Stadtteilen – z.B. in Havanna, in Berlin oder in Wien. Interaktive Projekte in Museen oder auf Festivals laden die Besucherinnen und Besucher dazu ein, ihre eigene Nase auszuprobieren und zu trainieren. So lässt Tolaas die Bewohner einer Stadt einen bestimmten Geruch dem jeweiligen Stadtteil zuordnen.
Tolaas beschäftigt sich aber auch mit sehr komplexen Fragen wie „Kann man Angst riechen?“ oder „Wonach hat der erste Weltkrieg gerochen?“. So synthetisierte Sissel Tolaas etwa im Chemielabor den Geruch von Schlachtfeldern im Ersten Weltkrieg, eine Auftragsarbeit des Militärhistorischen Museums in Dresden.

Nothing stinks, but thinking makes it so!

Dass erst die eigenen Gedanken, d.h. eine bestimmte Bedeutungszuschreibung dazu führen, dass wir bestimmte Gerüche als negativ wahrnehmen, zeigt übrigens ein ziemlich schräges Projekt im Bereich „Synthetische Biologie“. Aus dem Schweißgeruch von Menschen, d.h. mithilfe dieser Bakterien hat Tolaas Käse gemacht. So wurde beispielsweise aus David Beckham’s verschwitzten Fußballschuhen ein Schimmelkäse. Auch einen Sissel Tholaas-Käse hat sie so erstellt. Und ja, Tolaas hat ihren eigenen Käse sogar gekostet … Naja, wenn ihr mich fragt, ist diese Vorstellung dann doch etwas komisch. Was sie aber mit dem Projekt zeigen wollte, war: Der Geruch von Stinkefüßen muss nicht automatisch als negativ wahrgenommen werden. Wenn wir einen leckeren, französischen Schimmelkäse vor uns haben, läuft dem ein oder anderen bei dem Geruch sogar das Wasser im Mund zusammen. Mit diesen Worten schließt Tolaas ihren Vortrag auch ab: „Nothing stinks, but thinking makes it so!“

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