Bloggen auf Weltreise: Warum weniger oft mehr ist!

Bloggen auf Weltreise: Warum weniger oft mehr ist!

Noch vor einem Jahr waren unsere Pläne rund um tastytale.com größenwahnsinnig. Spätestens nach drei Monaten auf Achse kam die Ernüchterung: Will ich wirklich jeden Moment dieses doch sehr intensiven Jahres online teilen? Kann ich all das überhaupt in Worte fassen? Mein ehrgeiziges Ich sagt ja, mein Gefühl sagt nein.
2016 ist einzigartig – zumindest für uns. Das Jahr kapatuliert uns in Situationen und Gefühlslagen, denen wir teilweise nicht gewachsen sind. Es verändert uns. Es zeigt uns andere Perspektiven auf. Es verwirrt uns. Es lässt uns nach Worte ringen. In den besonders schwierigen und den besonders schönen Augenblicken denke ich nicht daran, meine Gedanken sofort in einen Blog-Artikel zu verwandeln.

Wir haben die „Top 10 Destinationen“ eines Landes weder alle gesehen, noch in einen übersichtlichen und praktischen Artikel verpackt, denen Reiseblogger ganz viele Besucher auf ihrer Seite bescheren …

Wir brauchen nicht nur mehr Zeit als andere beim Reisen, wir brauchen auch wesentlich mehr Zeit zum Bloggen. Uns zuliebe und euch zuliebe!

Unsere Pläne für dem Blog VOR der Weltreise

In meinem Rucksack sind bzw. waren seltsame Dinge: Ein winziges Mikrofon, weil wir ja auch Videos mit kurzen Interview-Fragen auf unserem Blog einbauen wollen. Ein Selfie-Stick, weil wir so tolle 360 Grad Kurzvideos drehen möchten, bei denen sich die Reisenden an jedem Ort schwungvoll im Kreis drehen. Ein kleiner grüner Apfel aus Plastik, der so aussieht wie der in unserem Logo und der als wiederkehrendes Element unsere Instagram-Fotos zieren sollte. Zwecks der Corporate Identity warad’s! Das Mikrofon haben wir noch nicht einmal ausprobiert. Die „Schuld“ dafür schieben wir Sprachbarrieren, dem ein oder anderen kulturellen Differenzen zu. Eigentlich hatten wir aber dann einfach keine Lust dazu. Den Selfie-Stick haben wir gleich nach drei Wochen als sinnloseste Investition ever abgetan. Vielleicht lag es an den vielen asiatischen Touristen, die uns mit ihren Sticks auf die Nerven gegangen sind. Tja, und der Apfel – der wäre eigentlich wirklich eine gute Idee gewesen, aber irgendwie scheint der im thailändischen Dschungel verloren gegangen zu sein. Vielleicht haben wir ihn aber auch nur in unserer AirBnB-Unterkunft in Bangkok vergessen 😉

Reiseblogs – eine Hass-Liebe

Bloggen ist anstrengend und ich habe größten Respekt vor all unseren lieben Blogger-Kollegen, die eine Professionalität und Regelmäßigkeit an den Tag legen, die mich staunen lässt. Am meisten Respekt aber habe ich vor jenen Reisebloggern, die Artikel mit Mehrwert anbieten. Denn auch für uns sind Reiseblogs zu einer wichtigen Informationsressource geworden, die uns viel Recherchen und Probleme erspart haben. In Kombination mit Tripadvisor, Buchungsplattformen mit Bewertungssystemen, Facebook und Instagram haben zu viele Informationsquellen dann aber bald zur Reizüberflutung bei uns geführt. Recherchefalle haben wir den Punkt genannt, an dem wir uns schlichtweg zu viel informiert haben. Jeder ist anders beim Reisen und was den einen an einer Unterkunft stört, kann für den nächsten den Himmel auf Erden bedeuten. Also hilft nur eines: Sich selbst ein Bild machen!

Tastytale: Reiseblog, Foodblog oder von allem ein bisschen?

Das allergrößte Problem von tastytale.com ist aber die Ausrichtung. Wir sind kein klassischer Reiseblog und auch kein wirklicher Foodblog. Wir wollen Artikel ins Netz bringen, die irgendwie doch eher für den Print geeignet sind. Und was fehlt, ist – nüchtern betrachtet – oft der Mehrwert für die Leser. An diesem Punkt arbeiten wir. So gibt es mittlerweile nicht nur persönliche Reportagen mit kulinarischem Fokus, sondern auch Tipps für kulinarische Hotspots, Rezeptvorschläge oder Reiseideen von Einheimischen. Eine erste Analyse zeigt: Mehrwert kommt ganz gut an! 😉

Die Zukunft unseres Blogs

Es hat Zeiten gegeben, da wollte ich einfach alles hinschmeißen. So ganz über’s Herz gebracht habe ich es dann aber doch nicht. Wieso? Weil ich gerne schreibe, fotografiere, reise, mich mit Social Media beschäftige und mit Menschen über ihre Leidenschaft rede. Tägliche Snaps, in denen ich erzähle, wohin ich gerade gehe, Top 10 Lists, was ich vor meinem 30. Geburtstag noch essen will oder dergleichen, wird es aber nicht geben. Das ist mir ganz einfach zu anstrengend. Dann wird das aber nix mit Ranking, Follower-Zahlen und unglaublichem Blogger-Reichtum? Haha, das mag schon sein.

Ideen für die Zukunft gibt es dafür aber genug. Dabei wird auch unsere Reise eine maßgebliche Rolle spielen. Eine Idee: Gerichte, die wir weltweit probiert haben und die uns inspiriert haben, auf regionale und saisonale Gegebenheiten daheim ummünzen. Eine persönliche Geschichte von der- oder demjenigen, bei dem wir diese Leckerei probiert haben, inklusive. Die Kategorie „So schmeckt die Welt“ wird übrigens zukünftig nicht abgesetzt. Die Weltreise ist zwar so gut wie vorüber, das Fernweh ist aber längst nicht gestillt :-).

An all diejenigen, die ihre Weltreise, Langzeitreise, Auszeit oder Sabbatical noch vor sich haben: Diese Zeit gehört vor allem euch selbst! Vergesst das nicht und fühlt euch zu nichts gezwungen.

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8 Comments

  1. Shirani

    13. Dezember 2016 at 15:56

    Hallo Michaela,

    mir geht es da ähnlich wie euch. Ich nehme mir auch immer tausend Dinge vor, und merke dann unterwegs, dass es viel schöner ist, die Reise zu genießen, anstatt ständig den Blog im Hinterkopf zu haben. Ich finde es ehrlich gesagt ganz schlimm, wenn Reiseblogger sich vor Ort kaum noch auf das echte Reiseerlebnis konzentrieren, weil sie in Gedanken schon bei dem Artikel sind, den sie darüber schreiben wollen. Ich meine, wozu reist man auf die andere Seite der Welt, um dann die meiste Zeit vorm Rechner und in den sozialen Medien zu verbringen?! Auch ich bemerke manchmal bei mir, dass ich auf Reisen beinahe schon krampfhaft auf der Suche nach einer Story bin. Da muss ich mir hin und wieder in Erinnerung rufen, dass es doch beim Reisen vor allem darum geht, sich frei zu machen von diese Zwängen und sich einfach treiben zu lassen.. Ich wünsche euch noch eine schöne restliche Weltreisezeit! Alles Liebe, Shirani

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    • Michaela

      Michaela

      13. Dezember 2016 at 16:00

      Hallo Shirani,

      sich treiben lassen – ja genau darum geht’s! Ich kann deinen Gedanken nur zustimmen!

      Danke für dein liebes Kommentar und viele Grüße aus Nicaragua
      Michaela

      Reply

  2. Jasmin

    13. Dezember 2016 at 16:09

    Da habt Ihr in vielen Teilen sehr recht! Ich blogge auch seit kurzem, habe aber schnell gemerkt, dass das intensive Bewerben dieser Bloggs und ständige „Am-besten-Live-direkt-teilen“, snappen und sämtliche Medien gleichzeitig bedienen, ganz schön anstrengend sein kann.

    Ich bin noch auf der Suche nach dem richtigen Weg für mich. Auf der einen Seite möchte ich gerne meine Reisetipps teilen, auf der anderen sind viele Dinge aber doch ernüchternd und ständig online möchte ich auch nicht sein. Mal schauen, wie der Blog sich entwickelt :) Euch wünsche ich viel Spaß, das Finden des richtigen Weges für euch und ganz viel tolle Erlebnisse auf Reisen!

    Reply

    • Michaela

      Michaela

      13. Dezember 2016 at 16:13

      Du hast Recht, die Mischung macht’s! Ein (nicht allzu straffer) Redaktionsplan kann dabei schon praktisch sein. Solange man dabei realistisch bleibt und sich selbst nicht überfordert. Auch dir viel Erfolg beim Bloggen, wir werden ab und zu mal bei dir reinschauen 😉
      Sonnige Grüße aus Nicaragua,
      Michi

      Reply

  3. Gina

    13. Dezember 2016 at 16:51

    „Fühlt euch zu nichts gezwungen“ – genau! Ich genieße auf der Weltreise die größte Freiheit seit langem. Kann meine Zeit einteilen, wie ich will. Entscheiden, wie lange ich an welchem Ort bleiben will.
    Wir haben auf dieser Reise gelernt, dass wir gar nix müssen. Nicht must-sees angucken, nicht toll finden, was vermeintlich alle toll finden. Nicht Artikel mit „Mehrwert“ generieren.
    Für uns ist das Bloggen im Moment unser Reisetagebuch. Wir berichten darüber, was wir erleben und können uns später damit nochmal die Stationen unserer Reise in Erinnerung rufen. Oder wir klären und sortieren damit unsere Gedanken, weil uns während der Reise so unglaublich viel durch den Kopf geht.
    Artikel mit Mehrwert können wir noch erstellen, wenn wir wieder zu Hause sind – vielleicht…

    Liebe Grüße aus Thailand
    Gina

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  4. Patrick

    13. Dezember 2016 at 20:28

    Toller Artikel, mir geht es ähnlich. Wenn man keinen Spass mehr am Reisen hat nur weil website und blog ständig rufen „denk an mich“ , spätestens dann sollte man nachdenklich werden. Ich für meinen Teil stelle nichts online wenn ich „mittendrin“ bin. Viele Eindrücke muss man sowieso erst verdauen und können nicht adhoc geschrieben werden. Viel Spass noch, Patrick

    Reply

    • Michaela

      Michaela

      14. Dezember 2016 at 15:07

      Ich finde es spannend, dass es anderen auch so geht. Danke für dein Kommentar! :)

      Reply

  5. Nina

    14. Dezember 2016 at 16:17

    Hey, ein interessanter Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. Wir haben vor einigen Monaten einen neuen Familienreiseblog gestartet und bloggen nun auch vor uns hin. Wir machen eine Mischung von Mehrwert und Reiseberichte.

    Warum? Ganz einfach, weil ich gerne Reisen von anderen online verfolge und immer nur diese sterilen zeitlosen Tipps ohne Zusammenhang teilweise langweilig finde. Ich mag es anderen zu folgen, dabei unterhalten zu werden und zu lernen.

    Ich hatte schon vor 10 Jahren einen Blog für meine Weltreise. Als Berichte für die Familie zu Hause. Und vor zwei Jahren hatten wir einen für eine zweimonatige Elternzeit in Asien. Jetzt machen wir das dauerhaft und füllen noch mit mehr Infos auf.

    Auf unsrer letzten Reise sind wir aber trotzdem genauso gereist wie vorher. Ich suche nicht nach Stories oder extremen Erlebnisse. Die Sachen kommen von ganz alleine und spannend wird es doch erst, wenn es für einen überraschend kommt.

    Das einzige was ich geändert habe: ich mache noch mehr Fotos und Poste öfters auf unserer Blog Facebook Seite.

    Von daher, macht wie es euch am besten gefällt. Nur so kann es gut werden.

    Lg, Nina

    Reply

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