Die Küche Südostasiens: Kulinarische Erkenntnisse

  • Die Küche Südostasiens: Kulinarische Erkenntnisse

Vier Monate haben wir uns bereits durch Südostasien geschlemmt. Auf unserer Reise durch Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha waren so einige Aha-Effekte, Geschmacks-Explosionen und Lerneffekte inklusive. Wir ziehen ein erstes Zwischen-Fazit für euch.

Ähnlich und doch total verschieden

„Same, same but different“: der viel zitierter Satz von Einheimischen und Backpackern trifft nicht nur auf die Menschen oder die Landschaft in Südostasien zu. Vor allem in der Küche lassen sich so einige Parallelen erkennen. Ob Som Tam, Frühlingsrollen oder Sticky Rice: viele Gerichte findet man in ganz Südostasien. Und doch gibt es die kleinen, aber feinen Unterschiede, an denen man erkennt, dass man die Grenze passiert hat. Da gibt es plötzlich feinste französische Baguettes in Laos, aber auch tonnenweise Glutamat, das uns in Thailand selten aufgetischt worden ist. Da sucht man in ländlichen Regionen in Thailand abends vergeblich nach Essbarem und wünscht sich insgeheim die allgegenwärtigen fahrbaren Essensstände aus Saigon her, die einen hungrigen Magen niemals im Stich lassen. Da möchte man sein Gericht in Kambodscha mit Fischsauce und Chillies verfeinern, erwischt aber wieder versehentlich das Maggi und ärgert sich danach über sich selbst …

Nationale Küche im Kontext der Geschichte

Eines war uns dabei spätestens in Laos klar: Wer die Küche eines Landes verstehen möchte, muss sich unweigerlich mit dessen Geschichte auseinandersetzen. So wurde die laotische Küche beispielsweise maßgeblich von der langen französischen Kolonialzeit beeinflusst. Dass es in Kambodscha auch heute noch Insekten an Straßenständen zu kaufen gibt, ist historisch gesehen aus einer Notsituation entstanden. Der Verzehr von gebratenen Wasserkäfern oder Heuschrecken war für viele Menschen Teil des täglichen Überlebenskampfes in einem Land, das von Bürgerkrieg und Völkermord gezeichnet ist. Aber nicht nur Kolonialzeiten oder Kriege haben die Küche in Südostasien geprägt. Auch der Tourismus und die Globalisierung haben ihren Teil beigetragen. Auch wenn die Einheimischen ihre Garküchen in Thailand lieben – die KFC-Filiale oder der amerikanische Eissalon „Swensen’s“ waren zu jeder Tages- und Nachtzeit gut besucht.

Die Sache mit dem Streetfood

Als wir im Jänner nach Thailand aufgebrochen sind, hatte ich noch ganz andere Vorstellungen von Garküchen in Südostasien. Vor allem war ich der Ansicht, dass man in allen Orten gutes und günstiges Streetfood bekommen kann. So ganz einfach ist das dann doch nicht. In Luang Prabang (Laos) war es beispielsweise ein Ding der Unmöglichkeit, an wirklich frisches und gesundes Streetfood zu kommen. Als wir unsere Gastgeberin (die übrigens aus Vietnam kam) nach Streetfood-Möglichkeiten in der Stadt fragten, warnte sie uns gleich: „But please, be careful!“ Etwas verunsichert checkten wir die Lage am populären Nachtmarkt. Streetfood, wie wir es aus Thailand kannten, gab es hier schlichtweg nicht. Dafür gab es Buffets mit allerlei Gerichten, wo man sich zu einem Fixpreis durchkosten konnte, sowie günstige und durchaus leckere Baguettes mit allerlei Füllungen. Einheimische fand man hier allerdings keine. Zwar gab es einige Essensstände etwas außerhalb des Zentrums, aber so ganz überzeugt haben uns diese dann auch nicht. In einem Gespräch mit dem Chefkoch und Besitzer des berühmten Restaurants „Tamarind“ erklärte uns Mr. Joy, was das eigentliche Problem des Streetfoods in Luang Prabang sei. Die Streetfood-Stände am Nachtmarkt habe man extra für Touristen aufgestellt. Die restlichen Stände legte er uns jedoch auch nicht ans Herz. Denn hier verwende man sehr viel „MSG“ (Mononatriumglutamat) – Geschmacksverstärker, ohne die Laoten kaum leben könnten. Nicht jeder Touristen-Magen verträgt diese Mengen an MSG. Uns blieb schlussendlich nur noch die Option, auf Restaurants auszuweichen, die laut Speisekarte kein MSG verwendeten. Gegessen haben wir so zwar recht lecker. Der Nachteil: Unser Reisebudget wurde dann doch ziemlich ausgereizt. Während wir in Thailand mit einem leckeren, frischen Gericht für 3 Euro glücklich und satt waren, gaben wir in Laos mehr als das Dreifache aus.

Vietnam: Ein Streetfood-Paradies für Entdecker

Am abenteuerlichsten und interessantesten fanden wir im Nachhinein betrachtet übrigens das Streetfood in Vietnam. Wenn ein Straßenverkäufer an dir vorbeifährt und über einen Lautsprecher ein Gericht ausruft und du einfach null Plan hast, was sich in dem Alu-Topf wohl befinden mag. Oder wenn du ein Lokal betrittst, dich hinsetzt, eine Menükarte erwartest und du dann erkennst, dass hier eigentlich nur „Hu Tieu Mi“ verkauft wird. Dann ist nicht nur die Neugierde groß, sondern auch die Spannung. Denn während wir in Thailand so gut wie nie richtig schlecht gegessen haben, sind wir in Vietnam schon ab und zu „eingefahren“, wie man bei uns so sagt. Zu ölig, zu geschmacklos, zu wenig Schärfe? Mist, das war dann wohl nichts. Überwogen haben dann aber auch die Geschmacks-Explosionen, wenn wir ein Gericht probiert haben, das zwar total einfach aussieht, aber das so perfekt ist, dass man jeden Tag an diesen Essensstand zurückkehren will. Pho Bo zum Beispiel – die vietnamesische Rindfleisch-Nudelsuppe, die mit einer Spur von Zimt ein perfektes Frühstück darstellt. Nirgendwo sonst in Südostasien habe ich so harmonische Suppen gegessen, als in Vietnam. Und erst dann, als wir das Land wieder verlassen haben, wurde mir klar, welch kulinarische Vielfalt das Land auszeichnet.

Unsere Favourites in Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha

Vier Länder haben wir bisher bereist und immer wieder wünsche ich mir bestimmte Gerichte, Produkte oder kulinarische Traditionen zurück. In jedem Land gab es Highlights, die ich am liebsten importieren oder zuhause nachkochen möchte.

In Thailand sind es für mich die Salate. Ohne Papayasalat und Glasnudelsalat kann ich schlichtweg nicht mehr leben. Nachts habe ich in Vietnam von einem richtig guten Thai-Curry geträumt und mir vorgestellt, wie ich Mango Sticky Rice verspeise. Der thailändische Hong-Thong Whiskey ist übrigens gut, günstig und für viele Einheimische offensichtlich ein Lebenselixier. Nein, wir sind nicht süchtig danach, aber ein Schluck hilft ab und zu bei einem vollen Magen.

Aus Laos vermisse ich neben den leckersten Baguettes und dem allerbesten Bananenkuchen auch das scharfe, geschmacklich einzigartige Larb und das dunkle Bier Lao. Ein Sonnenuntergang direkt über dem Mekong, mit einem dunklen Bier Lao in der Hand und einem Avocado-Bacon-Baguette (tja, da kommt die Westlerin in mir raus) und der Abend ist perfekt! Wie oft habe ich mir die leckeren Baguettes hier in Thailand schon hergewünscht, die es nicht nur in Laos, sondern auch in Vietnam an jeder Straßenecke gibt.

Vietnam liebe ich vor allem für den allerbesten Kaffee aus Eigenanbau: er ist kräftig mit einer Spur von Karamell und die Vietnamesen wissen einfach, wie man Kaffee macht (ein eigener Artikel sollte folgen). Für die frischen Frühlingsrollen mit Sesam würde ich so einige Kilometer mit dem Fahrrad in Hoi An hinlegen und ohne all die Suppen, deren Namen ich kaum in Erinnerung behalte, wäre Vietnam nicht Vietnam.

In Kambodscha hat es mir das Nationalgericht „Amok“ angetan, ebenso wie der Banana-Flower-Salad – ein Gericht, das ebenso in Vietnam zu finden ist.

Im Moment sind wir übrigens wieder in Thailand. So lecker die Küche hier auch ist: Wir freuen uns bereits auf neue Abenteuer in Malaysia und Singapur. In einer Woche geht es nämlich Richtung Langkawi und Penang. :-)

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