Halbzeit-Geständnisse

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Sechs Monate ziehen wir nun also durch die Welt. Wir sind in Land Nummer 9 (!) unserer einjährigen Reise, haben in gefühlten 1000 Lokalitäten gegessen und in einer nicht nachvollziehbaren Anzahl von Betten geschlafen. Unser Magen musste sich an Pho, Papayasalat, Porridge, Baked Beans und Cinnamon Swirls zum Frühstück gewöhnen; und wir an so manche kulturellen Eigenheiten, klimatische Bedingungen und innere Erkenntnisse. Vieles war anders, als wir es uns erwartet hatten und so einiges muss ich mir nun eingestehen.

  1. Wir haben uns daheim zu unbewusst ernährt.
    Bevor wir zu dieser Reise aufgebrochen sind, hatten wir vor allem eine Sorge: Werden wir es schaffen, uns unterwegs wirklich gesund zu ernähren? Die Antwort ist JA! Tatsächlich wählen wir auf Reisen unser Essen viel bewusster aus. Als wir nach drei Monaten gesunder asiatischer Küche dann doch wieder einmal zu Fastfood gegriffen haben, meldete sich unser Magen zu Wort. Wir fühlten uns schwer, müde und definitiv nicht mehr in der Lage, in der Mittagshitze den Heimweg anzutreten. Kurzum: Nur wenn wir uns wirklich gesund und ausgewogen ernähren und ein wenig auf unseren Körper achteten, waren wir auch den Herausforderungen einer Langzeitreise gewachsen. Kein Wunder, dass die vielen abendlichen Restaurantbesuche, die Naschereien und die Arbeitstage ohne anständigem Essen sich zuhause nicht gut angefühlt haben.
  2. Drei ausgewogene Mahlzeiten sind ein Muss.
    Ich werde wahnsinnig, wenn ich nicht regelmäßig esse (und ausreichend Wasser trinke). Und nein, ich darf nie wieder ohne einem gescheiten Frühstück außer Haus gehen. Und wenn es nur Toastbrot und einen Kaffee gibt, werde ich spätestens nach zwei Stunden unausstehlich und brauche auf der Stelle Energie. Ja, all das klingt eigentlich logisch – zumindest aus der Perspektive der Ernährungswissenschaft. Trotzdem bin ich daheim ab und zu ohne einem richtig guten Frühstück in den Tag gestartet. Und das Gute nach Südostasien: Ich kann nun auch schon um 7 Uhr eine warme, stärkende Mahlzeit vertragen.
  3. Essen suchen ist anstrengend.
    Ich habe es daheim geliebt, das Internet nach den besten Insider-Tipps für eine Reisedestination zu durchforsten. Mittlerweile verdrehe ich die Augen und muss laut seufzen, wenn ich die Tripadvisor-App öffnen soll. Nicht überall ist es so einfach, qualitativ hochwertiges Essen zu finden, als auf Bangkoks Straßen. Und ab und zu kommt natürlich auch die Sorge dazu, ob es das jeweilige Restaurant mit der Hygiene denn eh so genau nimmt. Die ganze G’schicht lässt sich übrigens auch hervorragend auf die Suche nach einem Schlafplatz übertragen. Wer will schon sein Bett mit tausenden Bettwanzen teilen oder den Gang aufs Klo gleich nach dem Abendessen einplanen? Tja, und diese Abneigung gegen Recherche hat dazu geführt, dass wir schnell mal wo Stammkunden sind. Hier in Honolulu waren wir schon vier Mal bei Ono’s Seafood – ganz einfach, weil das Essen lecker und gut für uns, unseren Magen und den Geldbeutel ist.
  4. Eine eigene Küche macht mich glücklich.
    Die Freude war groß, als wir mitten auf dem Bruce Highway in Australien einen Campingplatz entdeckt haben, indem es eine voll ausgestattete Küche gab. Nein, tatsächlich war die Begeisterung so groß, dass ich für einige Tage lang im Campervan vorgekocht habe und wir auf unserem Rückweg in den Süden wieder dort übernachtet haben. Kochen ist einfach so etwas wie Meditation für mich und eine Küche scheinbar eine Insel der Ruhe. Jaja, ich weiß eh, dass ihr das alle schon gewusst habt :-)
  5. Wir brauchen einen Blender. Und einen Hund.
    Ich bin niemand, der mit den neuesten Küchentrends mitgeht. Ich habe keine fancy Küchenmaschine und ziehe eine kleine Mokka-Kaffeemaschine einem großen Gerät vor. Der tägliche Smoothie unserer lieben Gastgeberin in Newcastle (G’schicht folgt) hat es uns aber angetan. Um einen Blender werde ich deshalb daheim nicht mehr herumgekommen – ganz einfach deshalb, weil die Smoothies lecker, leicht verdaulich und gepimpt mit allerlei gesunden Samen sind. Soll ich euch noch etwas verraten? Wir haben eine Liste angelegt, mit Dingen, die wir daheim unbedingt brauchen. Auf Märkten, in AirBnB-Wohnungen oder in Lokalitäten haben wir so viele inspirierende, praktische Dinge gesehen, die wir schließlich nicht kaufen und ein Jahr lang im Rucksack herumschleppen konnten. Auch der Hundewelpe hätte darin keinen Platz gehabt 😉 Wenn wir allerdings bei jedem (auch noch so hässlichen Hund) beide vollkommen durchdrehen, ist das vielleicht ein Zeichen. (Ich höre schon Mama aufschreien und Sonja sagen: „Das war ja eh klar!“)
  6. Bloggen auf Reisen ist eine Herausforderung sondergleichen.
    Tja und das ist wohl eines der größten Geständnisse: Oh mein Gott, ist Bloggen anstrengend. Vor allem auf Reisen und mit einer Perfektion, die ich an den Tag legen will. Ich will Reportagen, persönliche Geschichten über Menschen aus aller Welt, Portraits, Interviews – all das langwierige Zeugs. Und eigentlich keine Artikel, wie diesen, der mehr einem inneren Monolog ähnelt und „nur“ unsere Reise nacherzählt. Dass es so schwierig ist, Bloggen, Reisen und Arbeiten unter einen Hut zu bringen, hätte ich nicht gedacht. So manch ein Tag ist mit Wäsche waschen, Flüge buchen, Menschen kennen lernen, Visa-Formalitäten, Essens-Abenteuern und Kulturschocks ausgefüllt. Und zwischendrin wollen wir ja auch noch schlafen, lesen, mehr Zeit für uns haben oder, das allerbeste: einfach mal NICHTS tun! Ab und zu habe ich schon gedacht, den Blog auf Eis zu legen. Immer dann, wenn ich mit interessanten Menschen zu tun habe, die eine solch inspirierende Liebe zum Kochen und Essen auszeichnet, male ich mir aber schon wieder den nächsten Artikel aus. Also: Habt ein wenig Geduld, wir arbeiten daran 😉
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8 Comments

  1. Franz

    4. Juli 2016 at 6:47

    Liebe Michaela, lieber Florian!
    Schon Halbzeit!! Wahnsinn wie schnell sich das Rad dreht! Lese immer wieder mit Genuss euren Blog, danke dafür (auch wenn es mitunter stressig ist…)!
    Liebe Grüße aus der Heimat, Franz

    Reply

    • Florian

      Florian

      6. Juli 2016 at 23:06

      Hallo Franz,

      danke für deine Nachricht und schön, dass dir unser Blog gefällt.

      Wir freuen uns darauf, dich in der Heimat wieder zu sehen!

      LG Michi und Florian

      Reply

  2. sarah

    19. Juli 2016 at 9:28

    Hallo Weltreisende,

    bitte den Blog auf keinen Fall auf Eis legen! 😉
    Bei so vielen, regnerischen Tagen in diesem Sommer ist es eine schöne Abwechslung, in eurem sonnigen Blog zu schmöckern.. :)
    Ich freu mich schon auf eure Test-Essen, die ich hoffentlich bald kosten darf. Und natürlich auf euren süßen Zukunfts-Hund! 😀

    Bussis Sarah

    Reply

    • Michaela

      Michaela

      27. Juli 2016 at 18:13

      Liebe Sarah,

      danke für dein Kommentar, auch wir freuen uns schon auf viele kulinarische Abende mit dir :)
      Viele Grüße nach Salzburg
      Flo und Michi

      Reply

  3. Mathias

    27. Juli 2016 at 17:34

    liebe beide, was ich schon seit der lektüre dieses artikels sagen wollte: dieser beitrag ist sowohl inhaltlich wie auch erzählerisch unglaublich gelungen. sehr schön (und nachvollziehbar) formuliert – ich mag das :)!

    Reply

    • Michaela

      Michaela

      27. Juli 2016 at 18:15

      Oh, vielen Dank! Ein schönes Kompliment eines Autors 😉 Bis bald in Salzburg!

      Reply

  4. Chris

    12. September 2016 at 3:55

    Hey ihr beiden,

    in euren „Geständnissen“ liegt schon eine ganze Menge Wahrheit. Regelmäßiges und gesundes Essen ist einfach wichtig für das eigene Wohlbefinden auf der Reise. Und eine eigene Küche eröffnet da ungeahnte Möglichkeit – auch fürs Budget 😉

    Den Gedanken mit dem Blog hatten wir auch hin und wieder mal, aber meistens macht es ja doch Spaß und es ist auch ganz schön, wenn man hin und wieder etwas „richtiges“ zu tun hat.

    Liebe Grüße aus Honduras
    Chris

    Reply

    • Michaela

      Michaela

      12. September 2016 at 12:11

      Hallo Chris,
      jaaa,das stimmt allerdings auch mit dem Blog 😉
      Hasta luego
      Michi

      Reply

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