Wie fühlt man sich nach einer Weltreise? FAQs und ehrliche Antworten

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  • Wie fühlt man sich nach einer Weltreise? FAQs und ehrliche Antworten

Fast ein Jahr waren wir auf Weltreise, seit knapp vier Monaten sind wir zurück. Ist es nicht schwierig, nach einer Langzeitreise daheim wieder Fuß zu fassen? Wie geht’s jetzt weiter? Und wie war die Reise überhaupt? Ich habe eure häufigsten Fragen beantwortet.

Was ist das schlimmste, das euch auf der Weltreise passiert ist?

Nicht umsonst macht diese Frage den Anfang. Denn in vielen Gesprächen fällt sie gleich nach „Habt ihr schon eine Wohnung?“. Die Antwort: Nichts. In Saigon wäre mir fast die Tasche samt Pass gestohlen worden. Aber auch das ist glimpflich ausgegangen.

Sie sind bestimmt total erholt nach einem Jahr lang Nichtstun, oder?

Meine Lieblingsfrage – ganz besonders im Bewerbungsgespräch! Unsere Weltreise war schließlich kein Badeurlaub. Aber ich versteh‘ schon, worauf die fragende Person hinaus wollte. Nach einem Jahr lang Auszeit sind wir gestärkt, inspiriert, kreativer und offener im Privat- und Berufsleben.

Habt ihr das österreichische Essen denn nicht vermisst?

Absolut nicht. Wer bitte vermisst bei hawaiianischem Poke, Som Tam und Roti Canai das altbewährte Wiener Schnitzel? Nur bei Erichs Würstelstand in Singapur sind wir schwach geworden. So eine Käsekrainer mit Brezen und einem Stiegl Weißbier kann schon was. War aber eine einmalige Ausnahme – Ehrenwort!

Was habt ihr auf der Weltreise gelernt?

Wie man fachmännisch Kaffee verkostet, Sticky Rice am offenen Feuer kocht und sich beim Gemüseschnitzen nicht selbst verletzt.Wir haben gelernt, wie man Butterbrote für Opossums schmiert, dass man ein fertiges Batik-Kunstwerk mit Schnaps bespuckt und dass Wasserkäfer am besten mit Chili schmecken. Und zwischendurch haben wir ganz schön viel über uns selbst und unseren Platz im Leben herausgefunden.

Was war das beste/grausigste, das ihr auf eurer Weltreise gegessen habt?

Die Nyonya Küche in Penang und Melaka (Malaysien) hat uns umgehauen – im positiven Sinn! Wenn sich chinesische Männer mit malaiischen Frauen „verbandeln“, entsteht offensichtlich ein kulinarisches Wunder. Da treffen Kurkuma und Koriander auf Tamarinde, Paprika, Kokosmilch und frische Kräuter. Eine Kostprobe von „Asam Pedas“ (ein traditionelles Fischgericht) stellt den Gaumen auf eine Probe: Ist das Gericht nun scharf, süß oder sauer? Die Nyonya Küche war für uns die perfekte Kombi aus verschiedensten Geschmacksrichtungen und kulturellen Feinheiten.

So richtig grausig war selten etwas. Das kann auch unser Magen bestätigen (dem ging es nämlich fast besser als zuhause). Kulinarisch am schwersten haben wir uns allerdings in den USA getan.

Hattet ihr denn nicht Angst?

Wir gehören bestimmt nicht zu den risikofreudigsten Reisenden. Bevor es in ein neues Land ging, haben wir uns über die Sicherheitslage vor Ort informiert. Wir hatten viel zu viele Medikamente dabei. Wir waren gegen das Notwendigste geimpft, hatten mehrere Kreditkarten, zwei Moskitonetze (nie benötigt!) und einen praktischen Taschen-Safe von PacSafe im Gepäck. Angst hatten wir jedoch nie – weder nachts in der Großstadt, noch inmitten des Dschungels in Laos. Im Gegenteil: Immer dann wenn es schwierig wurde, sind uns Menschen mit viel Herzlichkeit und Offenheit begegnet. Ein wenig Vertrauen in sich selbst und seine Mitmenschen gehört für uns zum Reisen einfach dazu!

Ach, und ihr seid immer noch ein Paar?

Tag und Nacht mit derselben Person abhängen: Für viele ein unvorstellbares Unterfangen. „Wow, wenn ihr das geschafft habt, dann schafft ihr alles!“, hören wir dann. Ganz ehrlich: Eine wirkliche Ausnahmesituation war diese Reise nicht für uns. Wir haben beide einen ähnlichen Reisestil, lieben es zu essen, machen uns nichts aus Souvenirs und anderen Dingen, können nicht lange am Strand herumliegen und gehen relativ viel zu Fuß. Klar, gibt es auch da Differenzen. Um möglichen Missverständnissen und Problemen entgegen zu wirken, haben wir uns vor der Reise schon Gedanken gemacht. Dabei ist nicht nur ein ausgeklügelter Finanzplan entstanden, sondern auch ein Vertrag zwischen uns beiden. Was da so drinnen stand? Scheinbar selbstverständliche Dinge wie z.B.: Jeder soll auch mal was alleine machen. Und ja, ich hab mich gefreut, wenn Flo mal alleine ins Kino gegangen ist und ich ein bisschen Zeit zum Nichtstun hatte. Ein bisschen Alltag im täglichen Reise-Wahnsinn kann nicht schaden.

Und jetzt, Kinder?

Eine Frage, die gleich nach obiger Antwort folgt. Dicht gefolgt von Bemerkungen, dass „man sowas dann ja nicht mehr machen kann!“. Nein, Kinder stehen jetzt gerade nicht am Plan. Nicht weil wir die nicht mögen. Und auch nicht, weil man mit denen nicht mehr verreisen kann. Im Moment wollen wir einfach mal ankommen: sowohl privat als auch beruflich! Und wenn wir irgendwann mal an eine Familienplanung denken sollten, wissen wir: Reisen geht immer – mit Hunden oder Kindern, als Digital Nomad, Global Citizen oder als Angestellter, mit viel oder wenig Geld. Man muss nur flexibel und offen sein!

Wo auf eurer Weltreise hat es euch am besten gefallen?

Die schwierigste aller Fragen. Das müssen wir im Kontext betrachten:

  • Unsere Lieblingsstadt, von der wir nie genug kriegen: Bangkok. Warum? Tausende Gerüche, beeindruckende Tempel, stille Orte inmitten des Chaos und Streetfood bis zum Abwinken. Außerdem ist man mit dem Flieger in Nullkommanichts auf zauberhaften Inseln und in allen erdenkbaren Städten in (Südost-)Asien.
  • Wenn wir auswandern müssten, ginge es nach Panama oder Australien.
  • Das beste Essen gab es in Malaysia. Die freundlichsten Menschen übrigens auch.
  • Aktuelles Sehnsuchtsland: Nicaragua. Perfekt geeignet für alle, die zwar schon mal nach Costa Rica wollten, aber keine Lust auf Massentourismus haben.

Wo würdet ihr nicht mehr hinfahren?

Flo würde laut „USA“ schreien. Ich glaube allerdings, wir tun der Nation ein wenig Unrecht. Denn typisch amerikanisch sind Hawaii und New York City absolut nicht. Wenn es Probleme mit Fluglinien oder Einreisebestimmungen, dreckigen Unterkünften oder fragwürdigen Essensoptionen gab, dann immer auf US-amerikanischen Boden. Aber hey, die USA hat doch so viele landschaftliche Highlights zu bieten! Ob wir da die fehlende Esskultur verkraften können?

In Afrika/Argentinien/Neuseeland seid ihr nicht gewesen? Ja ist das denn überhaupt eine Weltreise?

Das ist uns herzlich egal. Nennt es von mir aus Langzeitreise. Unsere Reise führte uns geografisch gesehen einmal um die Welt.

Wie, ihr habt jeden Kaugummi dokumentiert?

Wem Flos Projektmanagement ein Begriff ist, weiß: Da geht’s genau her. Ja, wir haben sämtliche Ausgaben genau dokumentiert, auf Kostenstellen aufgeteilt und so unser Budget im Blick behalten. Wir mussten dabei auf nichts verzichten, sondern nur hie und da ein wenig umschichten. Das war zwar ganz schön viel Arbeit, hat aber dazu beigetragen, dass wir auch am Ende unserer Reise noch genügend Geld zur Verfügung hatten.

Wie bist du nur so dünn geworden?

Nein, nicht ich bin gemeint, sondern Flo. Denn er hat auf der Reise tatsächlich mehr als 10 Kilogramm abgenommen. Der Grund? Kein Weißbrot, viel mehr Schritte und gefühlte 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Irgendwann haben wir – eher unbewusst – unsere Ernährung viel bewusster wahrgenommen. Wieder daheim finden nun Zutaten wie Buchweizenmehl, Spirulina, Kokos- und Leinöl, Maca-Pulver und Miso Platz in unserem Speiseplan. Und irgendwie fühlen wir uns ein wenig fitter. Und ich? Nein, ich habe nicht maßlos an Gewicht zugelegt. Meine Hosen sitzen locker und ich fühl mich wohl. :-)

Wohin geht die nächste Reise?

Auf der aktuellen Wunschliste stehen: Marokko, Island, Skandinavien, Botswana, Südafrika, Montenegro, Porto, Patagonien, Ecuador, Kolumbien, Alaska, Sri Lanka und vieles mehr.

Schreibt ihr jetzt ein Kochbuch?

Ich weiß nicht. Sollen wir? Im Moment versuche ich all unsere Lieblingsgerichte daheim nach zu kochen. Vorkoster sind willkommen!

Ja und, wie fühlt man sich nach einer Weltreise?

Am Anfang war da der Kulturschock. Wenn andere vom Heimkehr Blues erzählten, betrachtete ich diesen noch als übertriebenen Betriff unter Reisenden. Zurück in Europa hat er mich aber so richtig erfasst. Die Temperaturen tief unter dem Gefrierpunkt, die überzogene Bürokratie und grimmig blickende Leute im morgendlichen Frühverkehr: Uff, ich bin also wieder da, yeah!

Mittlerweile haben wir uns aber wieder eingelebt. Ich weiß, dass das Klopapier nicht in den Mistkübel neben dem Klo gehört und ich Busse nicht einfach heranwinken kann. Ich genieße es, dass nach dem Winter tatsächlich sowas wie ein Frühling kommt – ein Hoch auf die Jahreszeiten! Ich kann nach Lust und Laune medium gebratene Steaks und rohen Fisch zu mir nehmen, ich freue mich, wenn ich Touristen den Weg weisen kann und ich mir nicht jeden Tag darüber Gedanken machen muss, wo ich morgen eigentlich schlafe. Alltag eben.

Und wie ich mich nach all dem nun fühle? Dankbar, zufrieden, stolz, glücklich, aufmerksamer, achtsamer und zugleich ein wenig neugierig. Denn auch wenn die Reise vorbei ist: neue Abenteuer und Herausforderungen warten schon! Und diese beginnen ausnahmsweise mal in der näheren Umgebung ;-).

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4 Comments

  1. DieReiseEule

    4. April 2017 at 17:16

    Lustig, traurig und nachdenklich machend zugleich. Cooles Eigeninteresse 😁

    Viel Spaß bei der Umsetzung der neuen Pläne.

    Es grüßt
    DieReiseEule

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  2. Gina

    4. April 2017 at 22:04

    Gerade von unserer Weltreise zurückgekehrt kann ich vieles so bestätigen, wie du es beschreibst. Nur ein Kochbuch werden wir wohl nicht schreiben.
    Wir sind seit zwei Wochen wieder hier. Im Moment schwankt mein Gefühl zwischen Vertrautheit (als wären wir gar nicht weg gewesen) und Befremden (ich kenne mich gar nicht mehr aus).
    Was richtig nervt, ist die Bürokratie und die muffigen Gesichter. Wenigstens ist der Frühling im Anmarsch 😉

    LG
    Gina

    Reply

    • Michaela

      Michaela

      5. April 2017 at 9:28

      Liebe Gina,
      ui, ja, die ersten Wochen werden von absoluter Verwirrung überschattet ;-). Und das kennen wir auch: Ab und zu muss ich mir die Fotos anschauen, damit wir klar wird, dass wir WIRKLICH auf Weltreise waren…
      Ich wünsch dir eine entspannte Rückkehr, das wird schon!
      LG Michaela

      Reply

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